Artenschutz durch Landwirtschaft

 

   

Erstmals erhielt mit dem Biobauern Peter Markgraf ein Landwirt den Umweltpreis des Landtages M-V. Er plädiert für einen Artenschutz, den auch die industrielle Großfelderwirtschaft nutzen könne.

Wildkräuter stabilisieren Roggen

Der Roggenschlag sieht aus wie jeder andere. Nur die Fahrstreifen zur Bestandesführung fehlen. Hier reift Bioroggen. „Wir sind längst den Ruf eines Unkrautzuchtbetriebs los“, lächelt am Feldrand Peter Markgraf, Betriebsleiter der Guter Heinrich GbR aus Jatznick-Waldeshöhe bei Pasewalk (Vorpommern-Greifswald). „Aber wenn man rein guckt, sind hier viele Kräuter.“ Markgraf teilt das Getreide. Etwas unterhalb der Roggenähren stehen Leindotter und Roggen-Trespe und am Boden wachsen Feldrittersporn und Acker-Hahnenfuß. „Das Entscheidende ist die Artenvielfalt“, erläutert der Biolandwirt. „Je vielfältiger die Wildkräuter im Getreide vorkommen, desto geringer ist das Risiko der Ausbreitung von Ertrag mindernden Massenunkräutern. Herbizide jedoch löschen diese vielen harmlosen Arten aus, während die wenigen resistenten Problemunkräuter immer dominanter wachsen.“

15 Jahre lang Zusammenhänge beobachtet

Seit Mitte der 90-er Jahre betreibt der 45-jährige Geograf und Botaniker Landwirtschaft zum Zwecke des Artenschutzes. Seinen jahrelangen Einsatz würdigte Ende Juni der Umweltausschuss des Landtages mit der Verleihung des Umweltpreises. Erstmals erhielt ein Landwirt diesen Preis, mit dem Leistungen ausgezeichnet werden sollen, die Vorbildfunktion haben, an anderer Stelle wiederholbar sind sowie dazu beitragen, Mecklenburg-Vorpommern als attraktiven Lebensraum zu erhalten. Auf Anregung des Umweltamtes des Landkreises Uecker-Randow hatte sich Markgraf mit einem Katalog beworben, der auflistet, welche Bewirtschaftungsmaßnahmen die Ausbreitung welcher Wildpflanze auf Acker bzw. Grünland fördert. Grundlage dafür sind Daten aus seinem eigenen Betrieb sowie von weiteren 2800 ha Beobachtungsflächen zwischen Anklam und Penkun, auf denen er seit 15 Jahren ehrenamtlich die Arten der Roten Liste erfasst.

„Biodiversität hat auch ökonomische Vorteile“

Angefangen hat der Betrieb 1996 mit extensiver Grünlandnutzung durch Schafhaltung, die auf heute rund 170 Hektar ausgedehnt wurde. Und seit 2002 betreibt Markgraf auf etwa 90 Hektar ökologischen Ackerbau. Nach missglückten Experimenten beispielsweise mit Weizen und Lupine hat sich eine dreigliedrige Fruchtfolge aus Hafer, Winterroggen und Klee bewährt. „Wir hatten anfangs auch Felder, die mochte man keinem zeigen. Ihre Bewirtschaftung haben wir mühselig lernen müssen.“ Heute habe er trotz vorrangigem Ziel des Artenschutzes stabile Erträge und sei vom belächelten Außenseiter zum normalen Nachbarn und Geschäftspartner geworden, was auch dazu führt, dass sein Artenschutzanliegens akzeptiert wird. Mit Hilfe des Preisgeldes von 15.000 Euro will er im Winter 2011/12 eine Broschüre erstellen, die Landwirten helfen soll, die etwas für die Artenvielfalt tun wollen. Auf freiwilliger Basis und ohne erhobenen Zeigefinger, wie er betont.
„Die Biodiversität hat auch ökonomische Vorteile“, sieht er eine Chance, auch konventionelle Landwirte für die Idee zu begeistern. Der vorgeführte Roggenschlag beispielsweise stehe wegen der mittelhohen Wildkräuter in den Sommerunwettern sicherer als benachbarte Intensivkulturen. Dies beträfe Lagerschäden gleichermaßen wie Pilz- oder Virusbefall. Die gefährdeten Blumen würden gut bearbeitete und durchlüftete Böden anzeigen. Und wenn Herbizide nur selektiv auf den von Massenunkräutern befallenen Teilflächen eingesetzt werden, spare das zudem Kapital. „Manchmal reicht es schon, ertragsarme Stellen nach der Bearbeitung ohne Einsaat und ungespritzt zu lassen.“ Für die Wiesenmahd empfiehlt Markgraf, beim ersten Schnitt mosaikartig kleine Flächen stehen zu lassen. Hier hätten die Wildkräuter und darauf aufbauend Insekten, Bodenbrüter und Feldhasen eine Überlebenschance.

Bisher aber kein Interesse

Hoffnung hatte Markgraf diesbezüglich auf das geplante Agrarumweltprogramm „Ackerschonstreifen“ gesetzt. Die Richtlinie dafür kam jedoch bisher nicht über die Entwurfphase hinaus. „2010 hatten sind nur zwei und in diesem Jahr nur acht Landwirtschaftsbetriebe dafür interessiert“, sagt Peter Ditz, Referatsleiter im Landwirtschaftsministerium. „Deshalb lohnte es sich nicht, das weiter zu verfolgen.“
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